Emder Stadtverkehr: GRÜNE fordern Beseitigung der Mängel und Fahrgastbeirat Fahrpläne müssen überprüft werden

Zwei Wochen nach Einführung des neuen Emder Stadtverkehrs ist mehr als deutlich: Die Probleme gehen weit über die von den Verantwortlichen genannten Anlaufschwierigkeiten hinaus. Es handelt sich hier einerseits um eine völlig dilettantische Umsetzung und zwar in gravierendem Umfang. Viele Dinge wurden falsch, unzureichend oder gar nicht umgesetzt.

Andererseits scheint es auch zu Fehlplanungen bei den Fahrtzeiten gekommen zu sein. Durch die hierdurch entstehenden Verspätungen können die Anschlüsse nicht gewährleistet werden, sodass der gesamte Fahrplan in Frage zu stellen ist.

So sind z. B. für die Linie 6 Bahnhof ZOB – Borssum für den Streckenteil ZOB bis Rathaus lediglich vier Minuten vorgesehen, laut altem Fahrplan waren es sechs Minuten, was schon knapp war. Durch die Halbierung der Busfahrten auf dieser Linie kommt es pro Bus aber zu mehr Fahrgästen. Dass hierdurch mehr Zeit benötigt wird, wurde anscheinend nicht berücksichtigt. Auch die Nutzung der neuen Emder Karte braucht mehr Zeit, denn die Fahrgäste zahlen anstelle von Bargeld mit der Karte. Im Gegensatz dazu konnte die alte Emder Karte quasi „im Vorbeigehen“ ins Lesegerät eingesteckt werden. Somit ist nicht damit zu rechnen, dass ein pünktlicher Busverkehr in absehbarer Zeit zu erwarten ist.

Im Gegenteil: für die Herbst- und Wintermonate ist mit einer Verschlimmerung zu rechnen. In Emden wird in den Sommermonaten viel Fahrrad gefahren. Erfahrungsgemäß nehmen dann ab Herbst witterungsbedingt sowohl der Autoverkehr als auch das Fahrgastaufkommen zu. Knapp bemessene Fahrtzeiten, die im Sommer evt. noch im weiteren Streckenverlauf kompensiert werden können, führen im Winter dann zu weiteren Verspätungen. Anschlussbusse können dann nicht mehr erreicht werden.

Es ist daher nicht nur notwendig, die Umsetzungsfehler so schnell wie möglich zu beheben, sondern auch, den Fahrplan als solches noch einmal auf Stimmigkeit zu überprüfen. Außerdem muss geklärt werden, welche Möglichkeiten zur Nachsteuerung unter Einhaltung der Bedingungen der Ausschreibung überhaupt bestehen, um den größtmöglichen Spielraum für Nachbesserungen diskutieren und nutzen zu können.

Um eine Beteiligung der Emder Bürgerinnen und Bürger zu gewährleisten, fordern die Emder GRÜNEN einen Fahrgastbeirat, wie es ihn bereits in vielen Städten gibt. „Ein solcher Fahrgastbeirat kann und soll beratend tätig sein. Vertreten sein sollten Mitglieder des Senioren- und des Behindertenbeirates, des Integrationsrates und des Stadtschulelternrates ebenso wie Anwohner der Emder Randbezirke“, so Bernd Renken, Fraktionsvorsitzender der Emder GRÜNEN. Nur so können die Bedürfnisse der Fahrgäste wirklich Eingang in die Planungen finden.

Die Fraktion von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN hat seinerzeit gemeinsam mit der SPD für das neue Stadtverkehrskonzept gestimmt, nachdem zuvor alle Fraktionen für die Einhaltung der sogenannten Bagatellgrenze von 600.000 km pro Jahr und 23 Fahrzeugen gestimmt hatten. Will man diese Grenze einhalten und muss zusätzlich den Schülerverkehr sicherstellen, dann bleibt nicht viel Spielraum für die Gestaltung des Linienverkehrs. „Unter diesen Bedingungen ist man nicht bei ‚Wünsch Dir was‘, dann ist man bei ‚So isses‘, insofern kann ich die Zustimmung der GRÜNEN Fraktion zum Stadtverkehrskonzept absolut nachvollziehen.“, sagt Claudia Steinhoff, Vorsitzende vom Kreisverband Emden, die selbst auf den Bus angewiesen ist.

 

Mängelliste

Folgende Probleme konnten bisher festgestellt werden (Diese Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und benennt bewusst nur allgemeine Probleme, jedoch keine individuellen Einzelfall-Beschwerden):

Haltestellen und Fahrpläne

  • Die neuen Bushaltestellen wurden nur unzureichend eingerichtet: Nur das Haltestellenschild, teilweise wurde nicht einmal ein Fahrplan ausgehängt, keine Unterstände oder Sitzgelegenheiten stark frequentierten Haltestellen und Umstiegshaltestellen, die Barrierefreiheit blieb völlig unberücksichtigt.
  • Die ausgehängten wie auch gedruckten Fahrpläne sind viel zu klein gedruckt.
  • Es gibt keine Liste, aus der die neuen sowie die umbenannten Haltestellen hervorgehen.
  • Einige umbenannte Haltestellen haben noch Schilder mit den alten Namen.
  • Fahrpläne und Erläuterungen sind nur in deutscher Sprache erhältlich (hier bitte nicht nur an Geflüchtete denken, sondern auch an Touristen und Besucher der Hochschule).

Kombination Stadtverkehr – Weser-Ems-Bus

  • Im Gegensatz zu den alten Fahrplänen sind nicht mehr die Fahrtzeiten des Weser-Ems-Busverkehrs – der ja ausdrücklich ergänzend zum Emder Busverkehr genutzt werden soll – aufgeführt.
  • Die Weser-Ems-Busfahrpläne wurden an vielen Haltestellen nicht aufgehängt.
  • Fährt man eine Strecke, bei der mindestens einmal Umsteigen notwendig ist und nutzt dabei die Emder Karte, um nur den vergünstigten Fahrpreis zahlen zu müssen, so wird im ersten Bus bei Auflage der Karte der Fahrpreis abgezogen, im zweiten Bus sieht der Fahrer bei Auflage der Karte, dass der Fahrpreis bereits bezahlt wurde.
    Ist der zweite Bus jedoch ein Weser-Ems-Bus, dann muss man das im ersten Bus bereits mitteilen, damit ein Fahrschein ausgedruckt wird, mit dem man im Weser-Ems-Bus dann nachweisen kann, dass man bereits gezahlt hat.
    Dass man so vorgehen muss, müsste man dann aber vorher wissen. Leider gibt es hierzu nirgends Erläuterungen.

Unzureichende Informationen und Schulung der Mitarbeiter*innen

  • Die Busfahrer*innen wurden nur unzureichend mit der Technik vertraut gemacht.
  • Die Mitarbeiter*innen im Treffpunkt wurden ebenfalls nur unzureichend geschult und geben teilweise falsche Informationen.

Barrierefreiheit

  • Sämtliche mit dem Beirat für Menschen mit Teilhabeeinschränkungen abgesprochenen Maßnahmen wurden nicht umgesetzt.

Schülerverkehr

  • Die Fahrtzeiten wurden mindestens mit einer Schule nicht abgestimmt: Bei der Oberschule Borssum haben die Schüler um 13:20 Uhr frei, der Bus fährt um 13:40 Uhr (Die Wartezeit führt nicht nur zu Reibereien zwischen den Schüler*innen, denn einige toben regelmäßig auf der Fahrbahn, dies stellt eine Gefährdung der Schüler*innen und des Straßenverkehrs dar.).
  • Für den Schülerverkehr ist in Einzelfällen die Bestellung eines Rufbusses notwendig bzw. die Schüler*innen müssen im Bus Bescheid geben, wo sie hinmüssen, damit die Fahrt bis dort überhaupt gewährleistet ist. Dies ist nicht praktikabel.
  • Ob alle Emder Schüler*innen auf Dauer mit diesem Fahrplan pünktlich zur Schule kommen bleibt abzuwarten. Insbesondere ist hier auch das geänderte Verkehrsaufkommen in den Wintermonaten zu berücksichtigen.

Bestellung und Kennzeichnung der Rufbusse

  • Bei Überlastung der Telefonstelle können keine Rufbusse bestellt werden. Dies ist schon mehrfach vorgekommen. Die geplante Bestellung per App und/oder SMS wurde nicht umgesetzt.
  • Menschen, die aufgrund einer Teilhabeeinschränkung zwar in der Lage sind, eigenständig Bus zu fahren, jedoch nicht, ein Telefonat zu führen, können ohne App oder SMS keinen Rufbus bestellen.
  • Sowohl in der VBN-App als auch in der Keptn-App werden zwar die Fahrtzeiten korrekt angezeigt, jedoch werden die Rufbusse nicht als solches gekennzeichnet.
  • In den IC-Zügen der DB werden kurz vor Ankunft in den Bahnhöfen die möglichen Anschlüsse auf Displays angezeigt. Die kurz vor Ankunft in Emden angezeigten Busverbindungen werden ohne den Hinweis auf Rufbusse angezeigt (so gesehen an einem Samstagabend).
  • Versucht man, per GoogleMaps eine Route mit öffentlichen Verkehrsmitteln in Emden zu recherchieren, so werden abenteuerliche Verbindungen angezeigt (z. B. Bahnhof – Borssum: Mit dem Zug zum Emder Außenhafen, dann per Bus zum Rathaus und von dort weiter nach Borssum); auch hier sind Rufbusse nicht gekennzeichnet.

Falsch berechnete Fahrtzeiten

  • Verschiedentlich sind  Teilstrecken, die im alten und neuen Fahrplan identisch sind, mit weniger Zeit bemessen (z. B. Bus Richtung Borssum: Das Teilstück Bahnhof – Rathaus war mit 6 Min. im alten Fahrplan schon knapp bemessen, im neuen Fahrplan sind nur noch 4 Min. für diesen Streckenabschnitt berücksichtigt.) Dies beeinträchtigt die Einhaltung des gesamten Fahrplans, weil die Anschlussbusse am Bahnhof ja erreichbar sein müssen.