Natur- und Klimaschutz-Kommunalwahlprogramm 2026

Wir wollen Umwelt und Klima schützen, um unsere Lebensgrundlagen zu erhalten und die Lebensqualität zu erhöhen.

Bäume, Grünflächen, sauberes Wasser, gesunde Böden, Hochwasserschutz. Das ist gelebter Klimaschutz

und mehr als Verschönerung: Das ist die Versicherung dieser Stadt gegen Hitze, Starkregen und

schlechte Luft.

Die Folgen des Klimawandels sind längst auch in Emden spürbar. Aus diesem Grund wollen wir die

Klimafolgenanpassung zu einem festen Bestandteil kommunaler Planungen machen. Dazu gehören

wirksame Maßnahmen gegen zunehmende Hitzebelastungen im öffentlichen Raum, beispielsweise

durch mehr Schatten, zusätzliche Bäume, Trinkwassermöglichkeiten und klimaangepasste

Aufenthaltsflächen. Ebenso müssen Wassermanagement und Hochwasserschutz stärker berücksichtigt

werden. Bei Neubauten, Sanierungen und der Stadtentwicklung insgesamt sollen Starkregenereignisse

und Überschwemmungsrisiken von Anfang an mitgedacht werden. Unser Ziel ist eine klimaresiliente

Stadt, die Menschen, Infrastruktur und Natur besser vor den Folgen des Klimawandels schützt und

gleichzeitig eine hohe Lebensqualität bietet.

Das Wattenmeer und das ostfriesische Marschland sind einzigartige Natur- und Lebensräume, die wir

für kommende Generationen erhalten wollen. Daher unterstützen wir den Beitritt Emdens zur

Entwicklungszone des Biosphärenreservats Wattenmeer und möchten die Chancen für nachhaltige

Entwicklung, Umweltbildung, Naturtourismus und regionale Wertschöpfung aktiv nutzen. Gleichzeitig

lehnen wir eine weitere Vertiefung oder Ausweitung der Außenems ab. Der Schutz des Wattenmeers,

seiner Artenvielfalt und seiner ökologischen Funktionen muss Vorrang vor weiteren Eingriffen in die

Natur haben.

Auch die verbleibenden Feuchtwiesen und anderes Grünland in und um Emden wollen wir schützen

und stärken. Sie stellen wichtige Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten dar, leisten einen

Beitrag zum Klimaschutz und prägen unsere regionale Kulturlandschaft. Gerade Wiesenvögel wie

Kiebitze, Uferschnepfen oder Brachvögel bedürfen unseres Schutzes, aber selbst in den

Vogelschutzgebieten, die fast ein Fünftel der Fläche Emdens ausmachen, gehen ihre Bestände dramatisch

zurück. Dabei ist uns bewusst, dass unterschiedliche Nutzungsinteressen aufeinandertreffen können.

Solche Zielkonflikte zwischen Natur- und Klimaschutz mit Wirtschafts-, Agrar- und Freizeitinteressen

wollen wir offen und transparent diskutieren, um gemeinsam nach tragfähigen Lösungen zu suchen.

Natur- und Artenschutz beginnen direkt vor unserer Haustür. Deshalb wollen wir invasive Pflanzenarten

wie den Japanischen Staudenknöterich konsequent bekämpfen und gleichzeitig heimische Gehölze und

naturnahe Lebensräume stärken. Kommunale Grünflächen sollen stärker zur Förderung der

Artenvielfalt beitragen und als vernetzte grüne Inseln für Insekten, Vögel und andere Tiere dienen. Dazu

gehören insektenfreundliche Begrünung, Vogelschutzgehölze, Blühflächen und geeignete Nisthilfen. Auf

dem gemeinsamen Weg hin zur pestizidfreien Kommune wollen wir Emden stetig voran bringen.

Gleichzeitig möchten wir Naherholung und Naturschutz zusammen denken. Der Emder Wall, der

Stadtwald, die Flächen am Petkumer Deichvorland und das Uphuser Meer sollen als wertvolle Natur-

und Erholungsräume erhalten, geschützt und behutsam weiterentwickelt werden. Sie tragen zur

Lebensqualität unserer Stadt bei und bieten wichtige Rückzugsräume für Mensch und Natur. Gebiete mit

hoher Dichte und Vielfalt an Vogelarten im Stadtgebiet (Petkumer Deichvorland, Meeden oder Knock)

sollten vorsichtig mit Führungen, Aussichtspunkten oder anderen Bildungsangeboten erfahrbar gemacht

werden.

Zum Schutz unseres Baumbestandes setzen wir uns für eine effektive Baumschutzsatzung mit klaren und

nachvollziehbaren Regelungen ein. Ersatzpflanzungen sollen grundsätzlich nach dem Prinzip „Drei neue

Bäume für einen gefällten“ statt 1:1 erfolgen, um den Verlust ausgewachsener Bäume besser

auszugleichen. Verstöße gegen die Satzung müssen konsequent verfolgt und mit angemessenen

Bußgeldern geahndet werden. Darüber hinaus unterstützen wir Maßnahmen zur Reduzierung von

Feuerwerksbelastungen, um Menschen, Tiere und Umwelt besser zu schützen.

Wir wollen Emden klimaresilienter und lebenswerter gestalten. Deshalb setzen wir uns für mehr

Flächenentsiegelung in der Innenstadt und in den Wohnquartieren ein. Entsiegelte Flächen verbessern

das Stadtklima, fördern die Versickerung von Regenwasser und helfen dabei, die direkten Folgen von

Starkregen und Hitzeperioden abzumildern. Dafür möchten wir Anreize für private und gewerbliche

Eigentümer:innen schaffen und gezielt über die Vorteile naturnaher Gartengestaltung informieren.

Haushalte sollen Informationen zu pflegeleichten, biodiversitätsfördernden Alternativen zu Kies- und

Schottergärten erhalten. Gleichzeitig muss das bestehende Verbot von Schottergärten konsequent

umgesetzt werden.

Bei der dementsprechenden zukünftigen Stadtentwicklung wollen wir das Schwammstadt-Prinzip

stärker berücksichtigen. Dazu soll Regenwasser möglichst vor Ort gespeichert, genutzt und versickert

werden – beispielsweise durch begrünte Dächer, Rigolen, Mulden und andere dezentrale

Wasserrückhaltesysteme. So schützen wir unsere Stadt besser vor Starkregenereignissen und verbessern

gleichzeitig das Mikroklima.

Der Ausbau erneuerbarer Energien bleibt für uns selbstverständlich weiterhin ein zentraler Standpfeiler

des Klimaschutzes. Wir wollen die Nutzung von Solarenergie auf Dächern weiter voranbringen,

Mieterstrommodelle stärken und Bürger:innen intensiver an der Energiewende beteiligen.

Bürgerenergieprojekte ermöglichen Wertschöpfung vor Ort, sodass möglichst viele Menschen direkt von

der Energiewende profitieren können.

Wir setzen uns für eine flächendeckende Biotonne für Haushalte ein, um mehr organische Abfälle

sinnvoll zu verwerten und die Restmüllmengen zu reduzieren. Gleichzeitig wollen wir dezentrale

Entsorgungs- und Wertstoffsammelstellen in den Stadtteilen stärken, damit Entsorgungsangebote für

alle Bürger:innen wohnortnah und unkompliziert erreichbar sind. Vorbilder wie die Angebote in

Barenburg zeigen, wie kurze Wege und gute Erreichbarkeit die Nutzung erleichtern können.

Die Müllvermeidung hat für uns Vorrang vor Entsorgung. Deshalb unterstützen wir die Einführung

einer kommunalen Verpackungssteuer nach dem Vorbild Tübingens, um Einwegverpackungen zu

reduzieren und Mehrwegsysteme attraktiver zu machen.

Ressourcenschutz und Umweltbildung gehören für uns untrennbar zusammen. Durch die stärkere

Vernetzung von Kitas, Schulen, Umweltverbänden und außerschulischen Lernorten wollen wir

Naturbildung dauerhaft in unserer Stadt verankern und Umweltbildung stärken, damit Müllvermeidung

mehr ins Bewusstsein für alle Generationen rückt.

Dazu wollen wir grüne Natur- und Bildungsangebote, wie z.B. den Außerschulischen Lernort das

Ökowerk oder Blühendes Emden e.V., in Emden weiter stärken und entwickeln. Dazu gehören

Umweltbildungsangebote, Schulgärten, Naturerlebnisräume, Lernorte im Freien sowie Projekte von

Vereinen, Verbänden und Initiativen, die Natur- und Klimaschutz erlebbar machen. Kinder, Jugendliche

und Erwachsene sollen die Möglichkeit haben, ihre Umwelt unmittelbar zu erfahren, kennenzulernen

und ökologische Zusammenhänge besser zu verstehen. Durch die stärkere Vernetzung von Kitas,

Schulen, Umweltverbänden und außerschulischen Lernorten wollen wir Naturbildung dauerhaft in

unserer Stadt verankern und für alle Generationen zugänglich machen. Darüber hinaus möchten wir

Konzepte wie beispielsweise GreenKayak fördern, hierbei können Bürger:innen kostenfrei Kajak fahren

und gleichzeitig Müll aus Gewässern und Uferbereichen sammeln. So verbinden wir Umweltbildung,

Freizeit und aktiven Naturschutz.

Die Ziele sind ehrgeizig, aber wir sind sicher: Erfolgreicher Natur- und Klimaschutz kann und muss

gelingen. Dafür braucht es Akzeptanz, Dialog und eine sorgfältige Abwägung der verschiedenen

Interessen.

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