Wer in Emden leben möchte, soll auch gut und bezahlbar wohnen können.
Bezahlbarkeit entsteht nicht von selbst. Sie muss politisch gewollt und vertraglich gesichert sein. Wir
fordern eine verbindliche Sozialbindung von mindestens 30 Prozent bei neuem Baurecht für bezahlbaren
Wohnraum in Emden, den Ankauf von Belegungsrechten sowie die feste Verankerung von sozialem
Wohnraum in städtebaulichen Verträgen. Zudem wollen wir alternative Investor:innen und
Wohnkonzepte suchen, die niedrige Mietpreise ermöglichen. Dazu gehört, etwa “Erbpacht statt
Flächenverkauf “ gezielt zu fördern und das Bauen über vereinfachte Bebauungspläne zu beschleunigen.
Bezahlbares Wohnen ist kein Luxus, sondern Grundlage für ein gutes Leben in Emden. Wohnen
bedeutet, mehr als ein Dach über dem Kopf zu haben. Menschenunwürdige Wohnsituationen dürfen in
unserer Stadt keinen Platz haben. Deswegen wollen wir entschieden dagegen vorgehen, indem wir
Bewohnbarkeitsprüfungen bei städtischer Kostenübernahme einführen und Kontrollen sowie Bußgelder
nach dem Vorbild der Stadt Leer nutzen. Um Wohnungsverluste durch zu knapp bemessene Sätze zu
verhindern, setzen wir bei den Kosten der Unterkunft im Leistungsbezug auf wohlwollendes Ermessen.
Zudem gilt es, die Verknappung von Wohnraum durch Ferienwohnungen aufzuhalten und einen
qualifizierten Mietspiegel als verlässliche Grundlage für die Mietpreispolitik einzuführen.
Solange Wohnungen leer stehen und Gewerbeflächen brachliegen, müssen wir keine neuen Baugebiete
ausweisen. Innenentwicklung und Nachverdichtung haben für uns – auch aus Naturschutzgründen –
Vorrang. Wir fordern die Einführung eines Leerstands- und Baulückenkatasters samt Beratung und
nötigenfalls Bußgeldern. Die Nachverdichtung soll vorrangig auf bereits erschlossenen Flächen
fortgesetzt werden, indem wir Leerstand revitalisieren und Gewerbeflächen in Wohnraum umwandeln.
Hierfür wollen wir die Förderanträge für das ab Juli 2026 startende Bundesprogramm „Gewerbe zu
Wohnen“ mit einem bestätigten 360 Millionen KfW Darlehensvolumen frühzeitig auf den Weg bringen.
Zeitgleich werden nicht versiegelte Flächen in erschlossenen Gebieten für die Artenvielfalt gestaltet, um
bessere Luft, Hitzeschutz und mehr Lebensqualität im Quartier zu sichern. Innenentwicklung vor
Außenentwicklung: Das ist gut für den Geldbeutel der Stadt und gut für die Natur.
Wie wir wohnen wollen, ändert sich während eines Lebens. Dafür braucht Emden mehr als nur die
Standardwohnung. Wir wollen Wohnprojekte für das Alter sowie genossenschaftliche und
gemeinschaftliche Wohnformen aktiv fördern und Mehrgenerationenhäuser und Gemeinschaftsräume
voranbringen.
Dabei müssen wir es allen Menschen ermöglichen, weitestgehend klimaneutral und klimaangepasst zu
wohnen, ohne dass die Mieten untragbar werden: Klimaschutz im Gebäudebestand und bezahlbare
Mieten sind kein Widerspruch — wenn die Stadt vorangeht und unterstützt.
Wir wollen die Heizsysteme der städtischen Liegenschaften klimaneutral umrüsten, um mit gutem
Beispiel voranzugehen. Dafür muss auch die kommunale Wärmeplanung verbindlich umgesetzt sowie
Quartiers-Wärmenetze und Mieterstrommodelle geprüft werden. Zudem gilt es, Mieter:innen,
Vermieter:innen und Eigentümer:innen über klimaneutrale Heiz- und Kühlsysteme wie die
Wärmepumpe zu informieren, sie zu fördern, und Vermieter:innen bei Sanierung sowie
Heizungsumstellung zu unterstützen.
Der wertvollste bezahlbare Wohnraum ist der, den wir schon haben. Ihn aus der Hand zu geben, wäre
kurzsichtig. Um den bestehenden bezahlbaren Wohnraum zu sichern, wollen wir die städtischen
Wohnungen halten, sie nicht renditeorientiert kalkulieren und schrittweise auf klimaneutrale
Heizsysteme umstellen. Dazu stärken wir die städtische Wohnungsbaugesellschaft als kommunales
Werkzeug. Wir ermöglichen eine unterstützte Wohnungstauschplattform für den altersgerechten
Wechsel, machen Sanierungsprogramme für kleine Einkommen zugänglich und legen das Programm
„Jung kauft alt“ neu auf.
Städtische Wohnungen sind kein Tafelsilber zum Verkaufen — sie sind unser stärkster Hebel für
bezahlbares Wohnen.
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