Aktuelles aus der Fraktion

Antrag

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,

die Fraktion GRÜNE stellt folgenden Antrag:

Der Rat der Stadt Emden möge beschließen

  • kommunale Flächen künftig nicht mehr an Zirkusbetriebe oder ähnliche Einrichtungen zu vermieten, die Wildtiere mitführen.
  • kommunale Flächen künftig nicht mehr an Betreiber von Pony-Karussells auf Emder Jahrmärkten zu vermieten.
  • künftig keine Genehmigungen mehr für die Ausstellung lebender Tiere auf den Emder Weihnachtsmärkten zu erteilen.

Begründung:
Vom 26. bis 29. August 2016 gastierte der Zirkus Paul Busch auf dem Emder Schützenplatz. Der Zirkus warb schon Tage vorher auf vielen Plakaten in den Straßen der Stadt besonders für seine Wildtier-Vorführungen.
Viele Emder Bürger haben jedoch in den letzten Jahren erkannt, dass die Wildtierhaltung in einem Zirkus weder ethisch noch moralisch nicht mehr vertretbar ist. Die Zirkustiere werden bei jedem Wetter in engen Käfigen auf LKWs von Ort zu Ort gefahren. Sie müssen bei lauter Musik und grellem Licht einem Publikum Kunststücke aufführen, für die sie oft mit Gewalt dressiert wurden. Den Rest der Zeit müssen sie meist in ihren sehr begrenzten Gehegen ausharren.

Viele Emder wissen auch, dass dieses auf der Ausbeutung von Tieren basierende System falsch ist und in der heutigen Zeit nichts mehr zu suchen hat. Im 21. Jahrhundert gibt es definitiv bessere Unterhaltungsmöglichkeiten als sich an Tieren zu erfreuen, deren trauriges Schicksal oft niemanden interessiert.

Dennoch sind in vielen der über 300 in Deutschland umherreisenden Zirkusbetriebe weiterhin Tiere wildlebender Arten zu sehen: Löwen, Tiger, Elefanten, Seelöwen, Flusspferde, Nashörner, Giraffen oder Affen und viele, viele mehr. Auf Homepages verschiedener Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen wird anschaulich beschrieben und dokumentiert, warum in einem Zirkusunternehmen eine verantwortbare Haltung von Wildtieren grundsätzlich nicht möglich ist. Aufnahmen von Tierschützern bezeugen immer wieder das Leiden vieler Zirkustiere, z.B. unter Stereotypien, wie beispielsweise das "Weben" bei Elefanten und Pferden. Aber auch das monotone Auf- und Ablaufen von Großkatzen und anderer Tierarten ist zu beobachten.

In Bayern wurden seit 2010 bei fast jeder zweiten Kontrolle Verstöße gegen tierschutzrechtliche Vorschriften festgestellt (249 Verstöße bei 512 Kontrollen). Zahlreiche Länder, darunter europäische Länder, darunter auch unsere Nachbarn wie Österreich und die Niederlande, haben bereits gehandelt und ein Wildtierverbot für Zirkusse erlassen. (s. Anlage 2)

Schon 2003 hat der Bundesrat in einem Entschließungsantrag an den Bundestag für ein Verbot von Wildtieren im Zirkus gestimmt und die Bundesregierung beauftragt, ein Gesetz für ein Verbot zu erarbeiten. Im November 2011 startete der Bundesrat erneut eine Initiative, da das Leid der Wildtiere im Zirkus immer größer wurde. Das zuständige Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) überlässt jedoch weiterhin die Wildtiere, sowie sogenannte "domestizierte Tiere" wie Pferde, Esel, Ponys usw. ihrem Zirkusschicksal. Am 18.03.2016 stimmte der Bundesrat erneut für einen Entschließungsantrag an die Bundesregierung. (s. Anlage 1) Auch die Bundestierärztekammer spricht sich für ein Wildtierverbot im reisenden Zirkus aus.

Da sich aber bisher nichts an der gesetzlichen Situation geändert hat, beschließen immer mehr Städte, keine öffentlichen Flächen mehr an Zirkusse mit Wildtieren zu vermieten. Solche Verbote gibt es bereits in über 51 Städten, darunter Worms, Speyer, Köln, Erlangen und jetzt auch Hannover. Ständig schließen sich neue Städte an.

Pony-Karussells Jahrmärkte:
Pony-Karussells sind: „Kleine Reitbahnen, in denen Ponys den ganzen Tag hintereinander im Kreis laufen müssen. Die aufmerksamen und lebensfrohen Tiere trotten hier traurig und lustlos hintereinander her – wie leblose Automaten.
Eigentlich brauchen die Ponys regelmäßige Pausen (spätestens nach vier Stunden) von der immer gleichen Bewegung, in denen sie abgesattelt und abgetrenst werden und sich mindestens eine Stunde in einem Paddock frei bewegen können. Außerdem müssen sie regelmäßig mit Futter und Wasser versorgt werden, auch damit sie keine Verdauungsprobleme bekommen. Denn normalerweise fressen Pferde und Ponys bis zu 16 Stunden am Tag. Das wird oft nicht eingehalten. Außerdem haben die Betriebe, die mit dem Karussell von Stadt zu Stadt reisen, kaum Möglichkeiten, die Tiere artgerecht zu halten. Die Ponys stehen teilweise über mehrere Tage während der Dauer der Veranstaltung angebunden im Transportwagen.
Sie laufen oft an der Hand immer in die gleiche Richtung in einem viel zu kleinen Kreis. Dagegen wehren sie sich instinktiv und drängen mit den Hinterbeinen nach außen. Anatomisch sind die Gelenke nicht auf eine dauerhafte Kreisbewegung ausgerichtet, Langzeitschäden sind die Folge. Die Ponys sind hintereinander zusammengebunden und können sich so schnell verletzen, falls eines der Tiere beispielsweise scheut oder sich bedrängt fühlt und deshalb mit den Hinterbeinen austritt. Pausen werden oft nicht eingehalten, weil es selten Ersatztiere gibt.
Rechtlich gibt es momentan leider keine Möglichkeit, Ponyreitbahnen generell zu verbieten. Das örtliche Veterinäramt ist jeweils gefordert, durch häufige Kontrollen und strenge Auflagen, Tierleid zu verhindern.

Emder Weihnachtsmarkt
Jedes Jahr wird auf dem Emder Weihnachtsmarkt eine Bude mit lebenden Tieren (Kaninchen, Schafe ...) aufgebaut. Viele Emder sind entsetzt, dass so etwas in ihrer Heimatstadt noch genehmigt wird. Die Tiere sind den Eindrücken des Tages (Kirmeslärm, ständige Berührungen durch Kinder und Erwachsene, die nicht immer tierfreundlich sind!), aber auch der Nacht ausgesetzt. Betrunkene schreien herum oder schlagen sogar auf die Seiten der Bude ein. Der Emder Weihnachtsmarkt braucht keine Tiere, um die Emder Bürger in Weihnachtsstimmung zu versetzen.

Mit freundlichen Grüßen

Bernd Renken, Fraktionsvorsitzender